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Beispiel für ein generisches Maskulinum

Das generische Maskulinum – Wie böse ist es wirklich?

Für viele Menschen ist die Diskussion um das generische Maskulinum vollkommen lächerlich. Der Anteil jener, die sich damit mal etwas detaillierter befasst haben, dürfte jedoch ziemlich gering sein.

Zur Erinnerung: Das generische Maskulinum ist “ein maskulines Nomen oder Pronomen, das sich auf Personen mit unbekanntem Geschlecht bezieht, bei dem das Geschlecht der Personen nicht relevant ist oder mit dem männliche wie weibliche Personen gemeint sein sollen.” (Quelle) Zum Beispiel: Der Kunde ist König.

Das generische Maskulinum: Die Linguistik macht den Faktencheck

Wie schön, dass es Wissenschaft gibt. Denn sie untersucht Hypothesen mit standardisierten und objektiv überprüfbaren und reproduzierbaren Methoden – frei von Ideologie oder politischen Forderungen.

Und wie schön, dass es Sprachwissenschaft gibt. Sie kann eine Antwort darauf geben, ob das generische Maskulinum nun wirklich stärker Männer als Frauen repräsentiert, wie von Kritikerinnen und Kritikern behauptet wird.

Mache den Selbsttest!

Aber eigentlich muss man auch gar kein Sprachwissenschaftler (guck, hier, generisches Maskulinum) sein, um zumindest zu erahnen, dass das generische Maskulinum eine gewisse Asymmetrie zwischen den Geschlechtern verursacht.

Machen wir die Probe und nehmen den Satz Die Lehrer streiken heute. Wen haben wir vorm Auge? Klar, Frauen und Männer, große und kleine, dicke und dünne. Alternativ natürlich auch nur männliche Lehrer.

Und bei Die Lehrerinnen streiken heute? Auch Frauen und Männer? Ein genauso starkes generisches Femininum, das sowohl Frauen und Männer meint? Nein, natürlich nicht. Hier sehen wir nur weibliche Lehrkräfte vor dem inneren Auge. Wahrscheinlich fragt man sich noch, warum nur Frauen. Werden sie vielleicht ungleich entlohnt und streiken deshalb?

Können Lehrerinnen auch Männer sein?

Würde ich behaupten, ich meine mit Lehrerinnen männliche und weibliche Lehrkräfte, dann würde mir nahezu jede Person den Vogel zeigen. Bei Lehrer ist es das Normalste der Welt, dass auch Frauen mitgemeint sind, andersrum jedoch ist es völlig undenkbar. Irgendwas stimmt also nicht, oder?

Studien im Überfluss – nur wo?

Manche behaupten gerne, es gebe keinerlei wissenschaftlichen Belege, dass das generische Maskulinum Frauen unterrepräsentiert. Das ist falsch. Seit den Siebziger Jahren gibt es zahlreiche Studien, die alle zu einem ähnlichen Ergebnis gelangen.

Was aber stimmt: Es ist nicht einfach, sie zu finden. Wo soll man anfangen? Was soll man googlen? Studierende haben Zugang zu diversen Datenbanken, alle anderen haben es schwieriger.

Und deutsche Leitmedien beschäftigen sich auch nicht so genau mit wissenschaftlich fundierten Hintergründen über unsere Sprache. Ein Interview mit einem Linguisten oder einer Linguistin? Eine Besonderheit.

Das generische Maskulinum: Studie (2004) von Josef Klein

Deshalb werde ich im Folgenden eine Studie vorstellen, die ich persönlich sehr schätze, weil sie für den Einstieg so schön einfach nachzuvollziehen ist. Die Studie wurde 2004 von dem Linguisten Josef Klein durchgeführt. Sie trägt den Titel: „Der Mann als Prototyp des Menschen – immer noch? Empirische Studien zum generischen Maskulinum und zur feminin-maskulinen Paarform“.

Zwei unterschiedliche Positionen im linguistischen Diskurs

Zu Beginn geht Klein auf zwei unterschiedliche Positionen in der Genderlinguistik ein: die strukturalistische und die kognitivistische Position. Erstere ist der Ansicht, dass das Maskulinum gar nicht dominieren kann, weil grammatisches (der Lehrer = Maskulinum) und biologisches Geschlecht (Männlichkeit) zwei voneinander getrennte Systeme seien. Mit anderen Worten: Nur weil der Lehrer grammatikalisch maskulin ist, sage das noch lange nichts über das Geschlecht aus. Vielmehr sei die Repräsentation situationsabhängig: Wenn Männer dominieren, dann seien sie in dieser bestimmten Situation einfach bedeutender.

Dass es im Falle der Personenbezeichnungen so einfach leider nicht ist, habe ich im Blog bereits erklärt. Die kognitivistische Position kritisiert einerseits, dass zwei unterschiedliche Systeme nicht per se voneinander unabhängig sein müssen. Und sie berücksichtigt neben gesellschaftlichen Faktoren auch die Tatsache, dass die Aufteilung des grammatischen Geschlechts bei Personenbezeichnungen im Deutschen nahezu parallel zur Mann-Frau-Aufteilung verläuft.

Die Hypothesen

Soweit die Theorie. Klein (2004:296) leitet aus diesen Überlegungen drei Hypothesen ab:

  • a) Beeinflusst hier das gesellschaftliche System das sprachliche System in frauenbenachteiligender Weise?
  • b) Beeinflusst das sprachliche System das gesellschaftliche System in frauenbenachteiligender Weise?
  • c) Handelt es sich um einen Prozess wechselseitiger Verstärkung zwischen den Systemen mit frauenbenachteiligenden Folgen?

Auf a) geht Klein an dieser Stelle nicht weiter ein. Er belässt es bei der Hypothese, dass sich die soziale Dominanz des männlichen Geschlechts über die Jahrtausende auch in unserer Sprache widerspiegelte. Wichtig ist vor allem b) – auch auf c) wird es eine Antwort geben. Sollten sich die Hypothesen nicht bestätigen, dann stärkt das die strukturalistische Position.

So viele Menschen wurden befragt

Kleins Studie ist eine empirische Studie. Er hat also einen Test durchgeführt. Das sind die Eckdaten des Tests (vgl. S. 297):

  • 276 deutsche Muttersprachler, davon waren 158 in Test A, 118 in Test B
  • die Gruppen waren sozial und altersmäßig stark gemischt – „mit einem leichten Übergewicht bei den 20-40-Jährigen
  • Verhältnis zwischen weiblichen und männlichen Testpersonen: 84 w vs. 74 in Test A, 64 w vs. 54 m in Test B.

Das generische Maskulinum: mitgemeint = mitgedacht?

Wie überprüft man nun, ob Frauen beim generischen Maskulinum nicht nur mitgemeint, sondern auch mitgedacht werden? Schließlich ist das ja der springende Punkt. Wenn man Frauen mitmeint, ist das ja schön – bringt aber auch nichts, wenn es beim Gegenüber so nicht ankommt. Die Aufgabe war einfach: Klein hat einen Satz mit einem generischen Maskulinum vorgegeben und die Testpersonen sollten in einem zweiten Satz darauf Bezug nehmen und mussten dadurch zwischen Mann und Frau wählen. Also zum Beispiel:

1) Jeder Einwohner der Stadt Aachen sollte sich zu dem Problem des hohen Verkehrsaufkommens äußern.
(Anrede: ……………. / Vorname: ………………) Meier meinte dazu, dass man mehr Straßen zu Fußgängerzonen umgestalten sollte.

KLEIN (2004:299)

Die Testpersonen sollte also z. B. Herr oder Frau, Robert oder Lena eintragen. Was genau sie eintragen, ist egal. Hauptsache sie geben ein Geschlecht an – und das tun sie ja.

Darum ist die Studie so genial

Damit die Ergebnisse nicht verfälscht werden, ist Klein einigen Stolpersteinen zuvorgekommen:

  • Er hat Gruppen und Kontexte gewählt, in denen Frauen und Männer zu gleichen Teilen vorkommen, z. B. als Einwohner. Eine Trinkerkneipe wäre also beispielsweise eher ungeeignet, denn dann wüsste man nicht mehr, ob die Männerdominanz nun aufgrund des sprachlichen Phänomens entstanden ist oder aufgrund der Assoziation des Geschlechts mit einer Trinkerkneipe.
  • Die Testpersonen durften nicht von dem tatsächlichen Sinn der Befragung wissen und mussten abgelenkt werden. Deshalb gab es vorab folgende irreführende, aber im Kontext doch logische, Begründung:

Dieser Text dient dazu, festzustellen, wie sich das Sprachgefühl gegenwärtig entwickelt. Es soll u.a. Folgendes herausgefunden werden:
1) inwieweit ‚lockere‘ Ausdrucksweisen eher akzeptiert werden als ‚wohlgesetzte‘ und
2) ob man heute mehr dazu neigt, Personen mit Vornamen oder Anrede zu bezeichnen.
Bitte ergänzen Sie den vorliegenden Text so, dass sich sinnvolle Sätze ergeben. Bei Wahlmöglichkeiten entscheiden Sie sich bitte für jeweils eine Alternative.

KLEIN (2004:298)
  • Aus demselben Grund hat Klein zur Ablenkung neben den wichtigen Texten auch noch irrelevante Aufgaben eingebaut, z. B.:

Mein Freund beschwerte sich bei der Stadtverwaltung:
a) „Der Autolärm ist unerträglich!“
b) „Sauerei, dieser Krach von den Autos!“

KLEIN (2004:298-299)
  • Trotz aller Sicherheitsvorkehrungen haben 3 Prozent der Personen den „Schwindel“ durchschaut. Diese hat Klein aussortiert.

Das Beste an der Studie ist, dass sie den unbewussten Umgang mit dem generischen Maskulinum misst.

Ergebnisse: So böse ist das generische Maskulinum

Was kam raus? Insgesamt haben Frauen und Männer in diesem ersten Test A zusammen zu 20% eine Frauenbezeichnung eingetragen und zu 69% eine Männerbezeichnung (4% beides, 7% ungültig).

Wenn man die Testpersonen in Frauen und Männer trennt, ergibt sich ein kleiner Unterschied. Frauen trugen zu 25% eine Frau ein, Männer zu nur 14%. Dieser Unterschied ist gar nicht mal so groß, wie man vermuten würde. Es sind also nicht nur Männer, die das generische Maskulinum befeuern. Auch Frauen tragen nicht sehr viel häufiger eine weibliche Bezeichnung ein, nur weil sie Frauen sind.

Tatsächlich gab es in keinem einzigen Fall eine Gleichverteilung oder gar eine weibliche Dominanz.

Test B: Ist das generische Maskulinum die Wurzel allen Übels?

Test B war genauso aufgebaut wie Test A. Einziger Unterschied: Anstelle von beispielsweise „Bürger“ heißt es nun „Bürger/Bürgerinnen“. Damit will Klein überprüfen, ob das generische Maskulinum alleinig für die große Ungleichheit verantwortlich ist.

Sollte das der Fall sein, dann müssten die Testpersonen jetzt zu etwa gleichen Teilen Frauen und Männer eintragen. Das taten sie jedoch nicht. Insgesamt haben sie zu 61% immer noch Männer eingetragen und nur zu 30% Frauen (5% beides, 4% ungültig). Teilt man wieder zwischen männlichen und weiblichen Testpersonen auf, dann wählten Frauen zu 32% eine Frau und zu 57% einen Mann, die männlichen Testpersonen zu 27% eine Frau und zu 66% einen Mann. Auch hier gibt es also wieder diese leichte Tendenz zum eigenen Geschlecht.

Das generische Maskulinum ist böse, aber nicht der Teufel

Was lernen wir nun aus der Studie? Dass die Wahrheit, wie so oft, zwischen zwei Extremen liegt. Es ist weder richtig, dass wir bei der Verwendung des generischen Maskulinums nur an Männer denken noch ist es richtig, das generische Maskulinum sei geschlechtsneutral.

Richtig ist, dass das generische Maskulinum als sprachliches Phänomen ein Faktor ist, der die männliche Dominanz in unserer Gesellschaft verstärkt. Es müssen jedoch noch weitere außersprachliche Faktoren hinzukommen, denn eine sprachliche Gleichberechtigung (Beidnennung) führt noch nicht zu einer gleichrangigen Denkweise. Auf jeden Fall muss die kognitivistische Position korrekt sein, nicht die strukturalistische. Beide Systeme, grammatisches Geschlecht und biologisches Geschlecht, sind nicht voneinander unabhängig.

Beim Vergleich des generischen Maskulinums mit der Paarform heißt „Verstärkung“ konkret: Im Durchschnitt ist die Assoziation „Mann“ beim generischen Maskulinum um 18% höher als bei der Verwendung der Paarform.

Verwenden wir die Paarform, dann schwächen wir die Assoziation „Mann“ zumindest etwas ab, sodass wir näher an eine Gleichverteilung kommen. Allerdings ist es damit allein leider nicht getan. Wir werden eine sprachliche Gleichberechtigung nie erreichen können, solange wir gesellschaftlich nicht auch so denken und agieren. Beides hängt miteinander zusammen. Wir würden Frauen eher sprachlich einbeziehen, wären beide Geschlechter gleichberechtigter. Und wären Frauen den Männern wirklich gleichgestellt, dann würden wir sie auch eher mitbenennen.

Kleins Fazit:

Die Benachteiligung der Frau durch das generische Maskulinum ist also keine feministische Schimäre, sondern psycholinguistische Realität.

KLEIN (2004:305)

Kritik an der Studie

Ganz perfekt ist die Studie – trotz aller Vorkehrungen – leider nicht.

  • In einer Testaufgabe gibt es eine pronominale Substitution:

Kölner Bürger schlossen sich zu einer Bürgerinitiative zur Verkehrsberuhigung in der Innenstadt zusammen. Als einer der ersten trat (Anrede: ……………. / Vorname: ………………) der Initiative bei.

KLEIN (2004:299)
  • Das Pronomen deutet umso mehr darauf hin, dass es sich um einen Mann handeln muss (einer, nicht: eine), obwohl es kontextuell keinen Hinweis darauf gab. Es ist daher wenig überraschend, dass bei dieser Testaufgabe der niedrigste Wert für Frauen erreicht wurde: Nur 13% der Testpersonen wählten hier einen weiblichen Namen, 78% einen männlichen Namen. Klein zieht daraus eine interessante Beobachtung: Es ist ein Indiz dafür, dass männliche Dominanz in unserer deutschen Grammatik sehr tief verankert ist. (Tiefer als beispielsweise im Englischen, die haben das nicht.)
  • Bei anderen Testaufgaben war der Kontext offenbar doch nicht so geschlechtsneutral wie angenommen. Im Test A hat beispielsweise ausgerechnet die Aufgabe den höchsten Frauenanteil (33%), bei der es um einen Supermarkteinkauf ging. Wohl eher kein Zufall. Im Test B mit den Paarformen hat derselbe Kontext sogar fast eine Gleichverteilung erreicht (44% vs. 47%). In einem anderen Kontext (Leserbriefe schreiben) hatten die Paarformen hingegen gar keinen Effekt – im Gegenteil. Offenbar werden Leserbriefe als Männerdomäne wahrgenommen.
  • Was Klein nicht erwähnt: Wenn ich z. B. eine Frau Huber persönlich kenne und ich soll im Lückentext entscheiden, ob ich einen Herr oder eine Frau Huber wähle, werde ich wahrscheinlicher Frau Huber wählen, weil ich an sie denke. Wahrscheinlich hätte man hier noch erfragen müssen, ob diesen Nachnamen jemand trägt, der oder die mir bekannt ist.
  • Selbst wenn das nicht der Fall ist: Wir suchen immer nach Hinweisen auf Geschlecht – erst recht, wenn uns diese Informationen, wie im Test, vorenthalten wird. Dann evozieren wir sogar Geschlecht aus der phonologischen Struktur eines Namens, also aus dem Klang. Klingt der Name hart oder eher weich? Klingt er hart, dann assoziieren wir eher einen Mann damit, klingt er weich, eher mit dem Stereotyp einer Frau.

Mehr Schülerinnen als Schüler

Besonders bemerkenswert, stellt Klein (304) fest, ist jedoch das Ergebnis einer anderen Aufgabe:

„Auch dieses Jahr haben wir die Ehre, einen Schüler unserer Schule für das beste Abitur mit einem Stipendium zu belohnen. Es handelt sich dabei um (Anrede: ……………. / Vorname: ………………) Kaiser. Wir gratulieren.“

KLEIN (2004:300)

Hier hat sich der Wechsel vom generischen Maskulinum zur Paarform besonders bemerkbar gemacht: Im Test A entschieden sich 20% der Testpersonen für ein Mädchen und 72% für einen Jungen. Im Test B waren plötzlich 47% für ein Mädchen und 44% für einen Jungen. Klein (304): “Aus einem Abstand von 52% zugunsten der Männer ist ein 3%-Vorsprung der Frauen geworden.” In der Studie ist dies der einzige Fall, bei dem die Wahl häufiger auf eine Frau fiel. Womöglich fanden die Testpersonen Schülerinnen fleißiger in der Schule als Schüler? Das würde zum Stereotyp passen.

Hinzu kommt: Im Bildungswesen wird schon lange die Paarform Schülerinnen und Schüler (oder kurz SuS) verwendet. Vielleicht wurde Schüler im Test A also bereits geschlechtsspezifisch männlich verstanden, vermutet Klein. Je höher die Geschlechtsspezifikation einer Personenbezeichnung ist, desto geringer muss das Verständnis für den generischen Gebrauch sein.

Fazit

Ja, das generische Maskulinum verstärkt die Assoziation “Mann” – eben weil eine grammatisch maskuline Personenbezeichnung sowohl geschlechtsspezifisch als auch geschlechtsunspezifisch (Männer und Frauen) verwendet wird. Andersherum können feminine Personenbezeichnungen nicht für Männer verwendet werden. Dadurch entsteht eine Asymmetrie zugunsten des Mannes.

Das generische Maskulinum zu vermeiden, ist daher gut und richtig. Das wird jedoch nicht all unsere Probleme lösen – nicht mal in Sachen sprachlicher Ungleichbehandlung und schon gar nicht wird es gesellschaftliche Ungleichheiten zwischen Mann und Frau lösen. In zumindest einem Punkt hat der Linguist und Befürworter des generischen Maskulinums Peter Eisenstein Recht:

Wenn wir dafür sorgen, dass es in Zukunft mehr Dirigentinnen, Richterinnen, Pfarrerinnen und Filmemacherinnen gibt als jetzt, tun wir etwas für die Gleichstellung aller in der Gesellschaft. Das soziale Geschlecht vieler Personengruppen wird sich dann verändern.

Und dann werden wir auch eher darauf achten, Frauen und Männer gleichermaßen zu adressieren.

Aktuellere Studie gesucht

Zwischen 2004 und 2019 ist viel Zeit vergangen. Zeit, in der auch die Sensibilität für geschlechtergerechte Sprache – und generell für Gleichberechtigung – deutlich gewachsen ist. Deshalb vermute ich, dass das Ergebnis 15 Jahre später anders aussehen würde. Es wird immer noch keine Gleichverteilung geben, aber die Prozentsätze sollten zugunsten der Frau gestiegen sein. Daher wäre es wahnsinnig interessant, den Test 1:1 zu wiederholen. Dann könnte man die Ergebnisse auch direkt miteinander vergleichen. Ich werde mich demnächst nach aktuelleren Studien umsehen. Wenn jemand eine kennt, lasst es mich gerne wissen.

Das Wichtigste zum Schluss

Ich habe aus Copyright-Gründen nur die wichtigsten Ergebnisse aus der Studie kuratiert und Kontext geliefert, der versichern soll, dass die Ergebnisse valide sind. Wer die aufgeschlüsselten Ergebnisse und alle Testaufgaben nachlesen möchte, hier findet ihr die Studie:

Klein, Josef (2004): Der Mann als Prototyp des Menschen – immer noch? Empirische Studien zum generischen Maskulinum und zur feminin-maskulinen Paarform. In: Eichhoff-Cyrus, Karin M. (ed.): Adam, Eva und die Sprache. Beiträge zur Geschlechterforschung. Thema Duden Bd. 5. Mannheim, 292-307.

“Das ist alles Blödsinn”, weil die eigene Meinung sich nicht mit den Ergebnissen der Studie deckt, reicht jetzt übrigens nicht mehr als Begründung für die Verwendung des generischen Maskulinums. Wer diese Meinung hat, sollte erklären können, warum. Zum Beispiel, indem man methodische Fehler der Studie aufzeigt. Meinung interessiert die Wissenschaft ansonsten zum Glück nicht.

Zum Weiterlesen:

  • Antwort der Linguistin Gabriele Diewald auf den oben verlinkten Beitrag von Peter Eisenberg – auch beim Tagesspiegel. Ihre Kernaussage: Der generische Gebrauch von Personenbezeichnungen war noch nie geschlechtsneutral.
  • Kunde oder Kundin? Warum Marlies Krämer im Sparkassen-Fall Recht und der BGH Unrecht hat

2 thoughts on “Das generische Maskulinum – Wie böse ist es wirklich?

  1. Hi Riani,

    I’m afraid that the book is hard to get outside of Germany (for Klein is a German author).
    At the German universities it is usually in the libraries.

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