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Manchen FeministInnen fehlt Einfühlungsvermögen

Mein zweiter Schlüsselmoment

Bei meinem zweiten Schlüsselmoment geht es um Feministinnen, die nicht aufklären, obwohl Information so wichtig wäre.

Letztes Jahr habe ich an der Uni Mainz an einem Journalismus-Fotografie-Workshop teilgenommen. Für einige unserer Bilder sollten wir in einer Übung Bildunterschriften finden. Auf einem Bild war eine Studentin zu sehen. Dementsprechend kam in der Bildunterschrift auch das Wort “Studentin” vor. Einer Teilnehmerin, die zu einer linken Gruppierung rund um das Haus Mainusch auf dem Campus der Uni Mainz gehörte, gefiel das nicht. “Woher wissen wir denn, ob es sich bei der Person wirklich um eine Person handelt, die sich als Frau sieht?” Der bessere Begriff wäre daher Student_in. Also mit dem sogenannten Gender Gap. Für den Fall, die Person ist transsexuell.

Richtig gendern: Gar nicht so einfach

Ich habe ihr daraufhin mit recht deutlichen Worten klar gemacht, dass ihre Sorge um die richtige Adressierung zwar sehr löblich ist, in diesem Fall aber übertrieben. Gendern macht nur dann Sinn, wenn man vom sogenannten generischen Gebrauch spricht. Also nicht von einer bestimmten Person, sondern von einer undefinierten Personengruppe.

Meine Anrede “Liebe Leser*innen” ist ein Beispiel dafür. Meine Blogbeiträge kann jede/r lesen, also sollte ich auch jede/n ansprechen. Wenn ich nun aber, aus welchen Gründen auch immer, wüsste, dass meinen Blog nur bestimmte Männer oder nur bestimmte Frauen lesen, dann würde ich die Anrede entsprechend in “Leser” bzw. “Leserinnen” ändern. Hinzu kommt, dass sich Transsexuelle sehr wohl einem bestimmten Geschlecht zuordnen. Es ist eben nur nicht das bei Geburt Zugeordnete. Also auch wenn eine Frau transsexuell ist, kann man sie mit “Studentin” umschreiben.

Kommunikationsschwierigkeiten zwischen Feministinnen und Laien

Diese Erfahrung hat mir einen weiteren Aspekt gezeigt, der die Kommunikation im Bereich der Gender-Debatte so schwer macht: Die Kluft zwischen “ExpertInnen” und “Laien” ist riesig. Wenn man als (selbsternannte) Expertin die Laien dafür verantwortlich macht, dass sie wegen ihres fehlenden Sachverstands eine vernünftige Debatte verhindern, ist das leider nur die halbe Wahrheit.

Wenn ich mir Interviews von FeministInnen oder GenderforscherInnen anhöre, dann verstehe ich das zwar, aber garantiert niemand, der sich noch nie darüber Gedanken gemacht hat. Und das sind nun mal fast alle. Diese Expertengruppen bewegen sich innerhalb ihrer eigenen Welt, holen aber alle anderen außerhalb nicht ab.

Damit sind wir wieder bei der grundlegenden Problematik der Kommunikation. Wenn man dann noch mit seinen Forderungen, wie in meinem Beispiel, über die Stränge schlägt und es sachlich falsch wird, dann darf man sich nicht wundern, dass die Öffentlichkeit ihre Witzchen macht.

Den zweiten Schritt vorm Ersten gemacht

Ich kann zwar verstehen, dass zur geschlechtergerechten Sprache auch die Inklusion von allen Genderidentitäten jenseits von Frau und Mann gehört und unterstütze dies auch vollkommen. Ich weiß aber auch, dass man nichts erreicht, wenn man den zweiten Schritt vorm ersten macht.

Mein Talkshow-Schlüsselmoment hat nämlich gezeigt, dass eine Diskussion schon völlig außer Rand und Band gerät, wenn es “nur” um die Gleichberechtigung von Frau und Mann geht. Wie soll man dann auch noch für LGBQT (Lesbian, Gay, Bisexual, Queer, Transsexuals) werben?

Mich hat es jedenfalls nicht gewundert, dass die KommilitonInnen bei dem Vorstoß der Feministin mit Sprachlosigkeit reagierten. Stattdessen sollten Feministinnen vielleicht kurz einen Moment innehalten und überlegen, ob sich die Anmerkung in dieser Situation wirklich lohnt. Und wenn doch, dann sollten sie ihren Vorschlag nicht nur freundlich, sondern auch erklärend formulieren. Aber es einfach nur “in your face” zu klatschen, erzeugt eher den gegenteiligen Effekt.

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